Allgemein · Irland

Blogparade: Reisebegegnungen.

Die liebe Ariane von Heldenwetter hat zu einer Blogparade aufgerufen und das Thema sind „Reisebegegnungen“. Ein wirklich interessantes Thema und ich muss ehrlich gestehen, dass ich zwar in den sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram) immer wieder von meinen wundervollen Reisebegegnungen schwärme, aber ich habe noch nie ausführlicher darüber berichtet. Dabei habe ich echt schon wundervolle Menschen auf Reisen kennen gelernt.

Ich bin generell eher nicht der Mensch, der einfach so auf andere Menschen zugeht. Bei Konzerten ist es das eine, da weiß ich immerhin das der andere wenigstens eine Sache mit mir gemeinsam hat und das wir etwas haben über das wir uns unterhalten können. Bei Reisen bin ich da allerdings doch immer wieder sehr zurückhaltend und schüchtern und ich würde NIE einfach so auf einen fremden Menschen zugehen und mich mit ihm unterhalten. So bin ich leider nicht, auch wenn ich mir wünschte es wäre anders. Denn sind es nicht gerade solche Begegnungen die einen gewissen Zauber inne haben? Eine meistens eher flüchtige Begegnung die einem aber ewig als gute Erinnerung erhalten bleibt?

Genau wie Ariane würde ich super gerne Geschichten von anderen Menschen hören und sie auf diesem Blog mit euch teilen, aber ich befürchte, dass ich zum einen dieses Jahr nicht zu besonders vielen Reisen kommen werde und zum anderen auch nicht den Mut hätte jemandem anzusprechen um das zu verwirklichen. Vielleicht wäre das aber ein guter Vorsatz für kommendes Jahr: mehr aus mir herausgehen und so die unterschiedlichsten Menschen für den Blog „interviewen“. Gibt mir vielleicht jemand von euch eine Portion Selbstvertrauen ab? 😉

Da ich mich absolut nicht entscheiden kann welche meiner liebsten Reisebegegnungen ich weglasse, erzähle ich euch heute einfach von allen sechs, angefangen bei der ältesten und endend mit der aktuellsten!

RHEINPROMENADE KÖLN, 18.04.2009

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Fangen wir diekt mal mit der peinlichsten Reisebegegnung überhaupt an. 2009, da war ich 20 und scheinbar ein Stalker. Zusammen mit meiner Freundin Camilla habe ich einen Tag in Köln verbracht. Die meiste Zeit verbrachten wir damit mega merkwürdige Videos aufzunehmen und Fotos mit einer Schwedenfahne zu machen. Warum auch nicht? 😀 Irgendwann bemerkten wir einen Typen den wir äußerst attraktiv fanden und von unserem erhöhten Standpunkt aus konnten wir ihn auch super beobachten, wie ihr auf dem Bild oben sehen könnt. Als er weiterlief sind wir ihm – ganz unauffällig natürlich! – hinterhergelaufen. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern, WIE wir letztendlich mit ihm in Kontakt gekommen sind – möglicherweise hatte er bemerkt das wir ihm wie kleine Welpen hinterherlaufen und hat uns nach dem Grund gefragt… -, aber schließlich war der persönliche Kontakt hergestellt. Das war also Tom aus Australien. Und wahrlich eine australische Augenweide. Während wir gemeinsam mit ihm um den Rhein liefen unterhielten wir uns über alles mögliche und landeten schließlich auf der Bank vor einem Cafe und tranken ein Kölsch mit ihm, welches er uns sogar spendierte. Uns, seinen Stalkern! Am Abend schwebten Camilla und ich regelrecht zum Bahnhof und es gab erst einmal kein anderes Gesprächsthema als Tom für uns. Der Kontakt verlief danach leider im Sand, aber eine schöne Erinnerung ist es trotzdem, auch wenn ich mittlerweile nur noch den Kopf über unsere Stalkerei schütteln kann.

FLUG: DUBLIN – DÜSSELDORF, JUNI 2010

Typ im Flugzeug

Dies ist eine von den besonders flüchtigen Begegnungen. Ich saß im Flugzeug auf dem Rückflug von Dublin nach Düsseldorf. Ich saß am Fenster, der Mittelsitz war frei. Am Gang saß ein Typ, ein paar Jahre älter als ich. Langsam hob das Flugzeug vom Boden ab und Dublin unter uns wurde immer kleiner und kleiner und schon hatte ich wieder Sehnsucht nach der grünen Insel. Möglicherweise hatte mein Sitznachbar das bemerkt, denn kurze Zeit später sprach er mich an. Natürlich wurde es ein Gespräch über unsere vergangene Irlandreise und er erzählte mir, dass er mit dem Fahrrad durch Irland gereist war. Dann zeigte er mir Fotos und einzig und allein seine Fotos von den Cliffs of Moher sind mir auch heute noch im Kopf. Ich weiß noch wie neidisch ich war weil er sie bei wunderschönem Wetter gesehen hatte und ich nicht. Irgendwann verstummte das Gespräch und jeder hing seinen Gedanken nach. In Düsseldorf stellten wir dann fest, dass wir in die gleiche Richtung mit dem Zug fahren mussten und so ging unsere gemeinsame Rückreise noch ein klein wenig weiter, bis ich an einem anderen Bahnhof umsteigen musste und jeder seinen eigenen Weg weiterging.

CONNEMARA NATIONALPARK, 31.03.2015

Philipp

Dies ist wohl eine meiner liebsten Reisebegegnungen. Es ist ein stürmischer und kalter Tag in Connemara, im Westen von Irland. Meine Reisebegleitung musste aus gesundheitlichen Gründen leider im Bed & Breakfast bleiben, doch da ich den Tag nicht in unserer Unterkunft verbringen wollte fuhr ich ohne sie in den Connemara Nationalpark. Im Visitor Centre wurde mir nahe gelegt, auf Grund des schlechten Wetters (sehr, sehr starker Wind!) nicht bis zur Spitze des Diamond Hill zu gehen, was aber genau mein Ziel werden sollte! Ich lass mich schließlich von ein bisschen Wind nicht unterkriegen. Durch das schlechte Wetter war der Nationalpark wie ausgestorben, was mir sehr gelegen kam da ich gerade solche Orte ohne Touristenmassen deutlich angenehmer finde und man so die Natur in seiner vollen Schönheit und Stille wahrnehmen kann. Irgendwann stand ich auf einem Holzsteg und verrenkte mich, um ein möglichst gutes Selfie von mir und der Landschaft hinzubekommen und ich muss dort wirklich lange gestanden haben, denn irgendwann kam ein Mann mit einem Hund an mir vorbei. Kurzerhand fragte ich ihn, ob er ein Foto von mir machen kann und da wir in die gleiche Richtung liefen fragte ich ihn schließlich, ob ich ihn begleiten könnte. Sein Name war Philipp, der Hund gehörte einem Bekannten von ihm und er ging mehrmals die Woche mit ihm im Connemara Nationalpark spazieren. Er selbst führte zusammen mit seiner Frau ein kleines B&B in Sichtweite des Parks. Wir unterhielten uns wirklich über ALLES und ich erfuhr eine Menge von ihm und vorallem über die Geschichte von Connemara und den Städten/Dörfern rund um den Nationalpark. Der Aufstieg zur Bergspitze stellte sich als wirklich große Herausforderung heraus. Der Wind blies uns die ganze Zeit von vorne ins Gesicht und erschwerte uns somit den Aufstieg. Immer wieder wurden wir von Hagelschauern überrascht die sich auf der Haut wie tausende Nadelstiche anfühlten. Bei dem Versuch meinen Poncho überzuziehen, um wenigstens ein bisschen mehr Schutz zu haben, zerriss dieser und flog davon. Immer wieder hielt Philipp an um auf mich zu warten, denn während er den Berg scheinbar ohne große Probleme erklomm hatte ich doch meine Schwierigkeiten und musste gefühlt alle 5m eine Pause einlegen. Irgendwann kam der Punkt an dem ich hätte umdrehen müssen, hätte ich Philipp nicht getroffen, denn ohne seine Hilfe hätte ich eine Stelle des Weges nicht überwinden können in dem Moment. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir schließlich oben an und ich muss ehrlich sagen das wir mit dem schönsten Ausblick überhaupt belohnt wurden! Aber Fortuna meinte es nicht gut mit mir, denn just als ich ein Foto machen wollte rutschte ich in einem Matschloch aus und sah aus als hätte ich mich dort oben rumgewälzt. Das kommt davon wenn man beim Wandern Turnschuhe anzieht. Aus diesem Grund hat Philipp mir beim Abstieg dann auch meinen Rucksack abgenommen. Für viele mag das nun sicherlich sehr leichtsinnig klingen, denn in dem Rucksack befand sich ein Großteil meiner Kameraausrüstung und mein Portemonnaie, ABER ich hatte in der kurzen Zeit wirklich Vertrauen in Philipp geschöpft und außerdem hätte er eh nicht großartig irgendwo damit hinrennen können, denn in Connemara gibt es kaum Büsche oder Bäume hinter denen man sich verstecken könnte und es ist zum Großteil eine weitläufige offene Fläche. Und er hatte immerhin Wanderschuhe an 😉 Zurück am Visitor Centre standen wir kurz vor unserer Trennung. Ich erwähnte, dass ich nun noch 3 Stunden auf meinen nächsten Bus zurück nach Clifden warten müsste und er bot mir kurzerhand an mich mit seinem Auto in den Ort zurückzufahren, obwohl das genau die engegengesetzte Richtung zu seinem Haus war. Tja, und so kam es, dass ich schließlich bei einem quasi Fremden im Auto saß. Meine Mutter bekommt noch immer eine Krise wenn ich ihr von dieser Reisebegegnung erzähle, schließlich hätte er auch ein Vergewaltiger oder Axtmörder sein können, aber mir hat dieser Tag mal wieder bewiesen, dass die Iren ein wirklich extrem freundliches Volk sind!

PAULA & PAULINA, 06.12.2015

Paula & Paulina

Diese Reisebegegnung fällt wohl unter die Kategorie „Zu viel Alkohol“. Es war Freitag. Vanessa und ich standen vor der Konzerthalle in Cork und warteten auf den Einlass für das Konzert von Keywest. Wir – okay, vor allem ich – hatten schon einiges an Wodka getrunken und ich unterhielt mich mit den Leuten die hinter uns standen. OKAY, ich dachte später ich hätte mich nur einem einem französischen Mädchen unterhalten, aber offensichtlich hatte ich auch eine ziemlich lange und gute Unterhaltung mit Paula und Paulina aus Polen. Ich konnte – und wenn ich ehrlich bin weiß ich auch immer noch nicht über was wir uns unterhalten haben ^^ – mich nur absolut nicht mehr daran erinnern kaum das die Unterhaltung aufgehört hatte! Sonntags liefen Vanessa und ich dann noch durch Dublin ehe wir zum Flughafen zurück mussten und irgendwann höre ich aufgeregtes Quietschen und meinen Namen und dann standen zwei mir völlig unbekannte Mädchen vor mir, total begeistert von dem Zufall das sie mich noch einmal wiedertrafen. Ich zermaterte mir den Kopf darüber, woher ich sie kannte bis ich schließlich aufgeklärt wurde. Freitag in Cork, beim Anstehen vor der Halle. Ich hatte doch mehr Wodka intus als ich angenommen hatte! Und trotzdem war ich für die beiden scheinbar eine tolle Reisebegegnung, denn sie bezeichneten mich als „beste Freundin“. Ich bestand dann noch auf ein gemeinsames Foto, um die beiden nicht noch ein zweites Mal zu vergessen!

ABRAHAMS HOUSE DUBLIN, 11.12.2015
Hogwartszimmer
v.l.n.r.: Emily (Ravenclaw), Riley (Hufflepuff), Camille (Gryffindor), Ich (Slytherin)

Ich sitze auf meinem Bett im Hostel. Es ist ein 6-Bett-Zimmer und bisher sind wir nur zu zweit. Ein drittes Mädchen betritt das Zimmer und fängt an ihr Bett zu beziehen. Sie ist ziemlich schüchtern und trägt ein Hufflepuff T-Shirt. „Du hast ein schönes T-Shirt an“, sagte ich zu ihr. Ihr Name ist Riley. Das andere Mädchen, Camille, meldet sich zu Wort und zeigt uns breit grinsend einen Gryffindor-Schal. Das ist der Moment in dem ich den beiden mein Harry Potter Tattoo zeige und erkläre, dass ich eine Slytherin bin. Wir sind komplett aus dem Häuschen, denn wir alle sind totale Harry Potter Freaks! Sofort gründen wir einen Gruppenchat bei Facebook und während Riley und ich ein wenig durch Dublin laufen bleibt Camille im Hostel zurück. Irgendwann erreicht uns eine Nachricht von ihr im Gruppenchat. „Girls!! The fourth girl in our room is a Ravenclaw.“ Ihr Name war Emily. Und unser Zimmer für die Nacht komplett. Man stelle sich vor: vier komplett Fremde in einem Hostelzimmer, alle Harry Potter Freaks. Das ist eine Erfahrung, die man nur ein einziges Mal im Leben macht!
Bevor Camille und ich am nächsten Morgen die zwei anderen im Hostel zurücklassen mussten, drehten wir noch ein klein wenig durch und hängten ein Schild mit der Aufschrift „Hogwarts“ von außen an unsere Zimmertür. Ein paar italienische Jungs fanden das äußerst amüsant und fingen an an unsere Zimmertür zu hämmern und obsönze Bildchen dranzukleben. Camille erklärte ihnen dass Muggel keinen Zutritt zu diesem Zimmer hätten 😀 Es endete schließlich damit, dass die „Muggel“ aus dem Hostel geworfen wurden und Hogwarts in Sicherheit war.

THE QUAYS PUB DUBLIN, 12.12.2015

David

Zusammen mit Camille saß ich im Pub und lauschte meinem liebsten Pubsänger Simon, der auf dem Bild zu sehen ist. Immer wieder blickte ich auf die Uhr damit ich meinen Bus nach Galway nicht verpasste während Camille sich mit einer Gruppe englischer Typen unterhielt. Irgendwann erklärte Simon, dass sich einer der englischen Typen mit mir einigen sollte, denn „The blower’s daughter“ sei mein Lieblingslied und der Engländer wollte es kurzerhand in „Canonball“, ebenfalls von Damien Rice, umändern. Ein wenig überrumpelt, denn bis dato hatte ich mit den Engländern nichts zu tun und auch hatte ich mir das Damien Rice Lied nicht bei Simon gewünscht erklärte ich, dass meinetwegen auch „Canonball“ gespielt werden könnte. Der Engländer bedankte sich überschwänglich bei mir und ich erfuhr seinen Namen: David. Leider hatte ich nicht mehr viel Zeit um mich mit ihm zu unterhalten, doch wir tauschten Facebooknamen aus und wir sind auch jetzt, vier Monate später, noch im ständigen Kontakt und werden uns definitiv in diesem Jahr noch wiedersehen! So wurde aus einer wirklich sehr flüchtigen Reisebegegnung quasi ein Freund.

So, ich hoffe ich habe euch mit meinen teils doch etwas länger geratenen Reisebegegnungsgeschichten nicht gelangweilt und ihr habt genauso viel Freude an ihnen wie ich es nach wie vor habe. Liebe Ariane, vielen Dank für diese wundervolle Blogparade!

Erzählt mir doch in den Kommentaren auch von eurer liebsten Reisebegegnung oder macht doch einfach bei der Blogparade mit. Sie läuft noch bis zum 20. Mai 🙂

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7 Kommentare zu „Blogparade: Reisebegegnungen.

  1. Ach, ja Reisebegegnungen – es gibt einfach eine Handvoll, die einem dabei sofort in den Kopf kommen. Bei mir sind das meist die verrückten oder die besonders attraktiven – Deshalb musste ich auch sehr über die Story mit Tom aus Australien schmunzeln. 🙂
    Ein wirklich schöner Post!

    Liebe Grüße
    Anna I http://www.einundzwanzigzwei.de

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  2. Die Hogwarts Reisebegegnung finde ich einfach so genial – vier Harry Potter Freaks, okay, aber dann auch jedes Haus einmal vertreten – wie verrückt ist das denn! Find ich einfach toll!

    Die Connemara Begegnung finde ich aber auch sehr schön!

    Gefällt 1 Person

  3. Wie schön 🙂 Eine tolle Sammlung an Geschichten! Das mit dem Hogwarts-Zimmer ist ja großartig, solche Leute möchte ich auch mal treffen. Ich bin übrigens ganz klar eine Ravenclaw 😉

    Und die Geschichte mit Paula und Paulina und Wodka hat mich daran erinnert, dass ich mich in Lima auf einer Party mal sehr betrunken auf Französisch mit einem Polen darüber unterhalten habe, dass er einen gelben Hund besitzt. Warum auch immer 😉 Vielen Dank für diesen tollen Beitrag zu meiner Blogparade!

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  4. 😀 Sehr schöne Geschichten! Ich mag vor allem die Stalker-Geschichte – manchmal fragt man sich wirklich, was man sich als Jugendlicher so gedacht hat. Und die Hogwarts-Geschichte ist der Hammer! Ich wäre auch definitiv Ravenclaw 😉

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  5. Das muss so cool gewesen sein und wie passend, dass ihr allen unterschiedlichen Häusern angehört! Besser geht’s nicht. 😉
    Schöner Beitrag mal wieder. Ich erinnere mich immer noch gerne an deinen Blick zurück als und Paula & Paulina anhielten und keine Ahnung hattest wer die beiden sind. 😀 Manchmal ist ein Vodka, einer zu viel ❤

    ❤ Nessa

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